Große Iserwiese (Velká jizerská louka) und Groß Iser
Die offensichtlich wertvollste Stelle des Isergebirges ist die Große Iserwiese, ein äußerst malerisches Gelände, das durch den Fluss Iser in einen polnischen Teil und einen tschechischen Teil aufgeteilt wird. Seit 1960 sind die wertvollsten Teile mit ausgedehnten Mooren und dem Bewuchs von Bergkiefer, Wacholder, Karpatenbirke und vielen sonstigen wertvollen Pflanzen und Lebewesen auf tschechischer Seite im Naturschutzgebiet Isermoore geschützt; der polnische Teil wird vom Naturschutzgebiet Torfowisko Izerskie geschützt. Während die tschechische Seite der Wiese schon immer verlassen war (eine einzige Ausnahme war das hoch gelegene Hojer Haus, die finster im Abseits gelegene Ruine gehört allerdings zu Klein Iser). Der polnische Teil wurde grundsätzlich stärker menschlich beansprucht, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges befanden sich hier praktisch in den Wiesen und Mooren die versprengten Gebäude der Gemeinde Groß Iser (Velká Jizera), die als abgelegendste Gemeinde und - bis zur beginnenden Tourismusentwicklung - als verlassendste Stelle des Isergebirges galt. Die Gemeinde wurde in der großen Niederung von Glaubensflüchtlingen gegründet, die um 1630 vor der Gegenreformation aus Böhmen flüchteten. Diese Wiese voller Moore und Sümpfe war allerdings ein bettelarmer Ort, Schnee lag auf Groß Iser manchmal auch acht Monate im Jahr. Die Bewohner von Groß Iser lebten traditionell von der Holzverarbeitung, der Viehhaltung aber auch von der Wilderei oder dem Schmuggel. In der besten Zeit von Groß Iser lebten hier bis zu 250 Bergbewohner in 35 Häusern, es gab hier eine Schule, eine Zollstation, ein Gasthaus, eine Mühle und das höchstgelegene gräfliche Jagdschlösschen und Forsthaus.
Die Gemeinde ging nach dem Zweiten Weltkrieg unter und alle Gebäude wurden nach und nach abgerissen. Im einzigen erhalten gebliebenen Haus – der Hütte Górzystów – gibt es alte Fotos, Chroniken und weitere Materialien, die die Geschichte und auch die letzten Tage der Berggemeinde beschreiben. Auf einigen Aufnahmen ist zu sehen, dass die Objekte – außer dem neueren Schulgebäude, das von der Armee verwendet wurde – nach und nach in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre abgerissen wurden. Heute erinnern nur noch zertrümmerte Fundamente im dichten Gras an sie.
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