Die Iser-Magistrale für Wanderungen

Die Natur des Isergebirges

GEOLOGIE

Bilder aus der Galerie

Das Isergebirge wird vom hier dominanten Granit gebildet, der sich seit fast einer viertel Milliarde Jahren in den Regionen Gablonz und Friedland im gesamten zentralen Teil des Gebirges bildet. Der Isergebirgsgranit ist mit seiner Grobheit und den markanten Kristallen des rosafarbenen Feldspates charakteristisch. Besonders an den Nordhängen bilden sie eine ganze Reihe an bizarren Felsen. Markante Granitfelsen stehen auch auf den rundlichen Kämmen der Hochebene des Gebirges. Interessante "körperförmige" Felsen gibt es auf den Gipfeln des Taubenhauses (Holubník), den Vogelkuppen (Ptaèí kup), den Pytláckýsteinen und auf dem Siechhübel. Eine schöne Felsenformation sind die Schneetürmchen (Snìžné vìžièky) nördlich von Christiansthal (Kristiánov). Durch die Verwitterung ädriger Granitsplittern gelangten Kristalle von vielen Edelmineralien in die sandigen Ablagerungen der Gebirgsbäche, z. B. Rubine, Saphire und von mehr als 30 anderen Mineralien. Die Isergebirgs-Saphire, die schon seit dem Mittelalter aus den Ablagerungen des Saphirbaches oder der Iser in der Gemeinde Klein Iser (Jizerka) gefördert wurden, gehören traditionell zu den schönsten Europas. Sämtliche ehemaligen Fundstätten von Edelsteinen in der Gemeinde Klein Iser wurden noch im 19. Jahrhundert verwendet, als die dortigen Einwohner aus den Ablagerungen schwarze Steine entnahmen - den Ilmenit, deren hiesige Art passend mit dem Beinamen Iserin bezeichnet wird.

FAUNA

Bilder aus der Galerie Siebengiebel
Bilder aus der Galerie Ptaèí kupy

Die Komposition und Farbenpracht der Tierarten im Isergebirge hängt vom Charakter des jeweiligen Gebietes ab, im Buchenwald gibt es andere Tiere als im Moor und im Fichtenbewuchs. Interessant ist, dass es auch im Isergebirge in der Vergangenheit große Raubtiere gab - der letzte Bär im Wald wurde 1741 geschossen, der letzte Wolf ein Vierteljahrhundert später.

Zu den Wäldern des Isergebirges gehört seit eh und je das Hochwild, das hier in den letzten Jahren überzählig ist, was einige Probleme bei der Instandhaltung der Wälder und dem Schutz und der Erneuerung des Bewuchses mit sich bringt. Besonders an den mit Buchen bewachsenen Nordhängen gibt es Schwarzwild -Wildschweine. In diesem Zusammenhang ist beachtenswert, dass von der ursprünglichen Iser-Schwarzwildpopulation nur ein abgemagertes Schwein übrig geblieben war, das 1924 dann auch abgeschossen wurde. Am Ende des Zweiten Weltkrieges kam allerdings das Schwarzwild aus den zerstörten Gebieten in Schlesien und passte sich den Isergebirgs-Buchenwäldern und dem Gebiet von Friedland an, wo ihr Bestand heute einige hundert Stück zählt.

Zum Jagdwild gehörten im Isergebirge früher auch die Vögel - die begehrtesten waren das Auerhuhn und das Birkhuhn, in der Vergangenheit typische gejagte Vogelarten im Isergebirge. Noch im 19. Jahrhundert wurden im Isergebirge massenhaft Vogelfänger gebaut - Vogeljagd- Fallen, in denen die Vögel zuerst zum Eigenverbrauch und später dann auch zum Verkauf gefangen wurden, standen an vielen Stellen im Gebirge - z. B. in der Nähe des Moores Lauer (Na Èihadle) oder am Wenzelbrunnen. Vögel sind auch in der Gegenwart noch im Isergebirge durch eine ganze Reihe von Arten vertreten. Man spricht hier von verhältnismäßig edlen Eulen - dem Uhu und Kauz oder über andere Vogelarten - den Hausrotschwanz, den Trauerschnäpper, den Zwergschnäpper, den Kleiber, den Baumpieper, die Meisen und die Blaumeisen. In einigen Gebirgsteilen gibt es auch Schwarzstörche, Spechte, Wasseramseln und Gebirgsstelzen. Von den Raubvögeln sind der Mäusebussard und der Habicht typisch. Kleinere Säugetiere leben sehr versteckt im Isergebirge, zahlreicher sind die Spitzmaus und die Kleine Spitzmaus. Zu weiteren typischen Nagetieren gehören die Waldmaus, die noch kleinere Haselmaus und der Große Baumschläfer. Neben dem Hochwild treten hier der Rotfuchs und der Waldmarder auf. Für das Isergebirge ist auch die Amphibie Feuersalamander typisch, zahlreich z. B. in den Buchenwäldern.

Die Wälder des Isergebirges sind auch reich an wirbellosen Tieren - vor allem Echte Laufkäfer, Alpenböcke (Käfer) und Hirschkäfer. Vor allem in den Isergebirgs-Buchenwäldern befindet sich eine ganze Reihe an Schmetterlingen - der Nagelfleck, der Große Eisvogel, der Trauermantel. In der nicht ganz so fernen Vergangenheit war im Gebirge der Graue Lerchenwickler auch mehr als zahlreich, der sich in den Jahren 1978 - 1980 explosionsartig vermehrte und zu der gewaltigen ökologischen Katastrophe im Isergebirge seinen Anteil beisteuerte.

Fische gibt es im Isergebirge in den Bergbächen und den Talsperren der Täler, ein herkömmlicher Fisch ist die Bachforelle, die früher gerne auch mal von den Bergbewohnern gewildert wurde; in die im 20. Jahrhundert errichteten Becken wurde auch der Bachsaibling von Menschenhand ausgesetzt.

FLORA

Bilder aus der Galerie Die Natur bei Olbersdorf  - Hemmrich
Bilder aus der Galerie Felsenburg (Skalní hrad)

Die Isergebirgswälder bildeten vor 800 Jahren den natürlichen Wall Böhmens. Ihre Artenzusammensetzung war allerdings eine grundlegend andere als heute - der Bergwald wurde vor allem von zwei Dritteln Fichten und Tannen gebildet, auf dem Rest der Fläche wuchsen Laubbäume - Buchen, Bergahorn, Ulmen und Birken. Die ausgedehnte Waldgemeinschaft dieser Komposition erlebte ihrer erste Veränderung im Zusammenhang mit der deutschen Besiedlung im 13. Jahrhundert, der Holzeinschlag wanderte im Laufe der Jahrhunderte immer höher in die Berge - gewaltige Ausmaße nahm er vor allem bei der Entwicklung der Glasindustrie im 17. und 18. Jahrhundert an.

In der Gegenwart bedecken Fichten (Gemeine Fichte und Spitzfichte) 75% der Waldflächen im Isergebirge, auf 10% der Waldfläche befindet sich Buchen und der Rest ist von anderen Arten bewachsen oder licht. Der natürliche Isergebirgsfichtenwald hat einen reichhaltigen Unterwuchs (Blaubeere, Drahtschmiele, Farne, und verschiedenste Laubmoose). Selten trifft man auch an offenen Stellen auf die typische Bergpflanze Schwalbenwurz-Enzian. Ein Zeichen für die Belebung des Isergebirgswaldes ist die massive Rückkehr fruchtbarer Blaubeeren und Pilze ins Unterholz der Fichten- und Buchenwälder.

Das typische Isergebirgsmoor entstand am Ende der letzten Eiszeit, vor ca. 10.000 Jahren. Ihr dominanter Bewuchs sind Sumpfmoose. Wegen einer nicht ausreichenden Menge an Nährstoffen wachsen im Moor keine Bäume oder sie vegetieren in den verschiedensten Verkümmerungsformen vor sich hin. Im Moor geht es den Pflanzen gut, die typisch für eine im Wesentlichen nordische Landschaft sind. So überwiegt eine ganze Plejade von Vertretern der nordischen Pflanzenwelt - Moosbeeren, die Zwittrige Krähenbeere, die Rosmarinheide. Im Moor erscheint noch manch weiteres Gehölz oder Pflanze - die Bergkiefer, der Seggen, Wollgräser mit den typisch weißen Büscheln und der Fleisch fressende und für die Isergebirgsmoore typische Sonnentau.

Die Bergwiesen, nach Jahrhunderten sorgfältig geschaffen, gehören zu den charakteristischen Naturschätzen des Isergebirges, obwohl sie ursprünglich durch menschliche Tätigkeit entstanden sind. Ganz besonders um Gablonz und Tannwald (Tanvald) haben sich die Isergebirgswiesen mit den Entwässerungsrinnen ihren ursprünglichen Charakter bewahrt. Auf den Wiesen befindet sich eine ganze Reihe von blühenden Pflanzen, selten und wertvoll sind insbesondere mehrere verschiedene Orchideen-Arten. Viele von ihnen bezahlten allerdings für die Nachkriegskollektivierung oder die staatliche Bewirtschaftung des Bodens und sind teilweise von hergetragenen Gewächsen bewachsen, ein Teil ist unpassend melioriert. Die wertvollsten Wiesen mit einer interessanten Flora sind die durch die verschiedensten Öko-Bürgergemeinschaften meistens mit der Sense gemähten - z. B. die Kaiserwald-Wiese (Upolínová louka) an der Iser. Ein Teil der Wiesen in der Umgebung von Friedrichsdorf (Bedøichov) und Grafendorf (Hrabìtice) wird von Pferdezüchtern benutzt. Leider ist die typische Weide-Viehwirtschaft des Isergebirges Ende des 20. Jahrhunderts fast ganz verschwunden.

DAS FUCHSSCHE-KREUZKRAUT UND DIE TROLLBLUME - TYPISCHE ISERGEBIRGSPFLANZEN

Die Trollblume (Trollius altissimus) - eine Pflanze mit gelben kelchförmigen Blättchen, in der Form einer Kugel angeordnet - sie ist die typische Pflanze des Frühlings an der Iser, wo sie im April und Mai massenhaft erblüht. Die meisten Exemplare dieser Art kann man auf der sog. Kaiserwaldwiese am Nordhang des Buchbergs sehen. Diese Wiese wird wegen des Vorkommens dieser Pflanze regelmäßig mit der Sense gemäht. Obwohl sich die Pflanze vor allem an dieser Stelle zeigt, wurde sie zum charakteristischen Vertreter der Pflanzenwelt des Isergebirges u. a. auch deshalb, weil sie zum Symbol des Naturschutzgebietes Isergebirge gewählt wurde.

Das Fuchssche-Kreuzkraut (Kycol) - ist eine typische Pflanze der Isergebirgsweiden und kommt am Rande von nicht bewirtschafteten Wiesen vor. Es ist dank seinen gelben Blüten und besonders "rutenartigen" Struktur leicht erkennbar, wird aber trotzdem mit der Goldrute verwechselt. Der besondere Name entstammt dem Volksmund und der Ursprung lässt sich mit unserer Region verbinden. Vermutlich kommt er vom Dialekt der Deutschen Bergbewohner - aus dem verstellten Begriff Kühzagel - eine regionale Fahne, der die Pflanze ähnlich sieht. Der Kycol galt unter den Isergebirgsbewohnern für Jahrhunderte als allmächtige Heilpflanze, die jede Krankheit heilen konnte; die ganze Pflanze wurde in den Dachstuben getrocknet. Der getrocknete Kycol wurde dann entweder in der Hausapotheke eingesetzt oder ins angrenzende Deutschland verkauft, wo er sehr beliebt war.

Gemäß dem letzten Stand der Wissenschaft verfügt vor allem der Sud über Heilkraft, den man gut auf Abschürfungen und anderen Hautverletzungen aufbringen kann. Die innere Anwendung - z. B. als Kräutertee - ist problematisch und wird nicht empfohlen. Wegen seiner Giftigkeit ist das Fuchssche Kreuzkraut offiziell nicht frei verkäuflich.

ÜBER DAS KLIMA UND DAS WETTER

Bilder aus der Galerie Klein Iser (Jizerka)

Das Isergebirge ist für sein sehr raues Klima berühmt, der typische Isergebirgstag ist neblig (z. B. in den Jahren 1971 - 1975 gab es in Friedrichsdorf 111 neblige Tage pro Jahr, in Darre (Souš) sogar 141), nieslig und regnerisch. Das Isergebirge ist ein Gebiet mit einer lange liegenden Schneedecke (früher bis zu 160 Tagen, in den letzten Jahren weniger). Der Sommer ist hier kurz, mild-kühl, es ist keine Ausnahme, dass die Temperatur in den Gipfelbereichen unter 0o C absinkt, der Winter ist hingegen hart und lang.

Die Temperaturverhältnisse im Isergebirge schwanken je nach Meereshöhe stark, bei einem Höhenunterschied um nur 100 m kann es zu einem Temperaturunterschied von zwei Grad Celsius kommen. Die Temperatur ist oft sehr von der Art und Zusammensetzung des Geländes abhängig, im Isergebirge befinden sich deshalb viele sog. Kältepole, in denen wegen einer Beschränkung der Luftzirkulation eine stabilere niedrige Temperatur herrscht als in der Umgebung. Der bekannteste Ort dieser Art ist die Gemeinde Klein Iser (Jizerka). Für das Isergebirge sind in den Wintermonaten auch Inversionen typisch. Eine Kuriosität ist auch, dass 1940 an der Iser der absolute Temperatur-Minusrekord aufgestellt wurde (- 42 oC).

Am niederschlagreichsten im Isergebirge sind die Nordhänge, weil dieses Gebiet das erste höhere Gebirge der Sudeten in Richtung entgegen den überwiegenden Norwestwinden ist, die die Niederschläge mit sich bringen. Das Isergebirge trägt den tschechischen sowie auch den tschechoslowakischen Rekord in den Tages-, Monats- und Jahresniederschlägen. 1897 fielen auf Neuwiese (Nová Louka) in 24 Stunden 345 mm Wasser, was im Gebirge einen Rekord darstellt, aber hier handelt es sich um eine Ausnahme, denn es wurden hohe Niederschläge vor allem am Siechhübel notiert, der den absoluten Rekord in der Summe der Niederschläge hält (1926 kamen hier 2201 mm Wasser vom Himmel).