Die Iser-Magistrale für Wanderungen

Die Geschichte des Isergebirges

DIE LÄNGST VERGANGENE GESCHICHTE DES GEBIRGES

Das Isergebirge gehört zu den böhmischen Gebieten mit der kürzesten Geschichte; in die bewaldete Berglandschaft voller Wild wagten sich für mehrere Jahrhunderte keine Menschen, erst im Mittelalter kamen Wagemutige hierher: nach Edelmineralien Suchende, Jäger, Bergleute und Vogelfänger.

Im zentralen Teil des Isergebirges ist nur eine archäologische Fundstätte erhalten geblieben – der Felsvorsprung an den Hruškový-Felsen am Welscher Kamm (Vlašský høeben). Vor dem Zweiten Weltkrieg haben hier deutsche Archäologen bergmännische Werkzeuge ausgegraben, die wahrscheinlich aus der Spätsteinzeit stammen (2000 v. d.Z.) Ähnliche Funde gab es auch bei Friedland – bei den Heidensteinen (Pohanských kamenù) bei der Gemeinde Böhmisch Weigsdorf (Višòová) und bei Chlum bei Raspenau (Raspenava).

DIE MITTELALTERLICHE GESCHICHTE DES GEBIRGES

Der zentrale Teil des Isergebirges war auch im Mittelalter nicht dauerhaft besiedelt. Im Frühmittelalter schob sich eine geschlossene Besiedlung allmählich zuerst ins Vorgebirge vor. Die Kolonisierung der wilden Nordhänge der Berge um Friedland knüpfte an die ältere slawische Besiedlung (Milsener d.h. die Lausitzer Sorben) an. Einige Namen wie Tschernhausen (Èernousy), Rückersdorf (Øasnice), Wiese (Ves) usw. erinnern immer noch an den Ursprung der einzelnen Gemeinden.

Der südliche Teil des Gebirges, das heißt das heutige Gebiet um Gablonz (Jablonec nad Nisou), befand sich zu Beginn der Geschichte in kirchlichem Besitz und wurde vom Zisterzienserkloster bei Münchengrätz (Mnichovo Hradištì) aus bewirtschaftet (heute Klášter Hradištì). Im 14. Jahrhundert entstanden so auf den steilen Hängen der Gablonzer Seite Dörfer mit den ersten Kirchen – z. B. Gablonz (Jablonec), Reichenau (Rychnov), Držkov, Woleschnitz (Zlatá Olešnice). Sie wurden teilweise auch vom böhmischen Adel des Isergebirges verwaltet.

Die Besiedlung des Isergebirges, die sich auch in höher gelegene Gebirgsteile ausdehnte, wurde von den Hussitenkriegen im 15. Jahrhundert teilweise zerrüttet.

DIE BESIEDLUNG DES ZENTRALEN TEILS DES GEBIRGES

Die Besiedlung des zentralen Isergebirges begann erst im 16. Jahrhundert, als die Friedländer Herrschaft, und damit auch ein bedeutender Teil des Gebirges, sich in Besitz des unternehmerischen Adelsgeschlechts von Redern befand. Den Südteil des Gebirges regierten zu dieser Zeit die nicht weniger geschickten von Wartenbergs und die von Oprštorfer. Vor allem die von Redern begannen mit dem rücksichtslosen Unternehmertum auch höher im Gebirge – 1584 gründeten sie an den Lagerstätten des typischsten isergebirgischen Erzes, nämlich des Zinns, die Bergbaustadt Böhmisch Neustadt (Nové Mìsteèko; heute: Neustadt an der Tafelfichte, Nové Mìsto pod Smrkem); auch die Waldbewirtschaftung wurde systematisiert, diese Regeln stärkten den Zweck und die Aufgaben der herrschaftlichen Waldarbeiter. Im 16. Jahrhundert begann der Holzabbau auch in den Gipfelbereichen des Gebirges – die geschlagenen Stämme wurden auf der Wittig (Smìda) und Stolpich (Štolpich) herabgeschwemmt, ein Teil wurde auch für den Betrieb der Eisenhütte in Raspenau verwendet. Die von Redern unterstützten auch die Entstehung neuer Siedlungen, die von Anfang an mit der Textilproduktion verbunden waren, wie z. B. Alt-Harzdorf (Starý Harcov) oder Katharinberg (Kateøinky) bei Reichenberg; der wirtschaftliche Aufschwung führte auch zu einer „Verdichtung“ der Besiedlung.

In dieser Zeit drangen die Menschen bereits ins Herz des Isergebirges vor – im 16. Jahrhundert (1539) wird zum ersten Mal die Vogelfänger- und Holzfäller- und später auch Goldgräbersiedlung Klein Iser erwähnt, über die sich viele Jahre ein Grenzstreit zwischen der Herrschaft von Friedland und der von Nawarov hinzog.

Im 16. Jahrhundert wurde auch die traditionelle Glasproduktion ins Isergebirge aufgenommen, Wald-Glashütten entstanden in Grünwald bei Gablonz (Mšeno nad Nisou; 1548), in Hut (1558), Reiditz (Rejdice; 1577) und Friedrichswald (Bedøichovì; 1598). Die Hütten bewirkten auch eine Besiedlung der abgelegeneren Ecken des Gebirges. Dank dieser Siedlungen entstanden langsam besser gangbare Wege in der Waldwildnis. Die Glasmacheröfen schluckten eine unvorstellbare Menge Holz und schoben sich mehr und mehr in den Wald vor. Die Landschaft wandelte sich wegen ihrem Betrieb schnell.

Nach dem kurzen Wallensteiner Zwischenspiel zu Beginn des 17. Jahrhunderts (als Albrecht von Wallenstein das Isergebirge von den von den Redern beschlagnahmte – das Friedländer Herzogtum) wurde die Gebirgslandschaft in die Herrschaften des Generals Matthias von Gallas (Norden) und Nikolas Desfourse (Süden) aufgeteilt. Diese beiden Familien besaßen letztlich bis ins 20. Jahrhundert hinein die riesigen Waldanteile des Isergebirges (die der von Gallas später in Verbindung mit der Familie Clam als Clam-Gallas).

In den Jahren der Regierung der von Gallas und der Desfours über das Isergebirge kam es Schritt für Schritt zur Gestaltung der charakteristischen Isergebirgslandschaft. Auch die Glasmacher stiegen immer weiter hinter dem Holz her in höher gelegene Teile des Gebirges, es entstanden Glashütten in Antoniwald (Antonínov; Anfang des 18. Jahrhunderts), auf der Neuen Wiese (Nová Louka; 1756), in Christiansthal (Kristiánov; 1775) und in Klein Iser (1828). Langsam veränderte sich in den Wäldern die Zusammensetzung des Gehölzes zgunsten der schnell wachsenden Fichte. Schon im 18. Jahrhundert wurde zudem im Isergebirge organisiert nach Plan gewirtschaftet, die Anlegung von Weiden wechselte sich mit der Pflanzung von neuen Bäumen ab.

Am Ende des 17. Jahrhunderts gründeten die Desfours auf ihrer Herrschaft an den Südhängen eine ganze Reihe von zerstreuten Dörfern, deren Bewohner sich ihren Lebensunterhalt an den steilen Hängen vor allem mit der Holzfällerei, der Viehhaltung und der Spinnerei verdienten. Später kam die Glasmacherei auch hierher und viele Bewohner der Bergdörfer bestritten ihren Lebensunterhalt mit den verschiedensten Handwerken – Glasdrücken, Glasschleifen oder nur das Einfädeln von Knöpfen und Perlen. Auf der Gablonzer Seite der Berge befinden sich viele Orte, die nach den einzelnen Vertretern der Familie Desfours benannt sind – Albrechtsdorf (Albrechtice), Antoniwald (Antonínov), Josefsthal (Josefùv Dùl), Karlsberg (Karlov), Marienberg (Mariánská Hora) und Maxdorf (Maxov). Diese romantischen Dörfer, die damals fast ausschließlich von deutschen Bergbewohnern besiedelt waren, haben sich in ihrer ursprünglichen Bebauung und ursprünglichen Weiden mit nur kleineren Veränderungen bis heute erhalten.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Landschaft unterhalb des Isergebirges in der Zeit zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert war mit einer starken Unterdrückung der hiesigen Bevölkerung verbunden – im Friedländer Gebiet sind Bauernaufstände vom Ende des 18. Jahrhunderts, die vom Schmied Andreas Stelzig aus Rückersdorf (Øasnice) angeführt wurden, bekannt. Ein sagenhafter Vertreter der herrschaftlichen Grausamkeit war der Gallaser Landvogt Christian Platz von Ehrenthal, der z. B. das neu gegründete Dorf Rudolfstadt (Rudolfov) mit Bewohnern des nicht weit entfernten Katharinbergs (Kateøinky) zwangsbesiedeln ließ. Die herrschaftlichen Schergen verschleppten diese mit Gewalt und in Eisen gelegt von einem Ort in den anderen. Über Christian Platz kreisten noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts schaurige Geschichten vor allem auf der Reichenberger und Friedländer Seite des Gebirges. Diesen Geschichten nach muss der verwünschte Hauptmann für seine Taten zur Strafe in windigen Nächten in den Wäldern in Hemmrich, d. h. im höchsten Teil von Buschullersdorf (Oldøichov v Hájích), Steine zersägen. Sein Geist treibt sich angeblich auch an düsteren Abenden in den Isergebirgs-Fichtenwäldern als großer Hund herum.

DAS ISERGEBIRGE IM 19. UND 20. JAHRHUNDERT

Im 19. Und 20. Jahrhundert wurde das Isergebirge zu einem der am stärksten industrialisierten Gebiete Österreich-Ungarns. An allen größeren Flussläufen wurden Antriebe für Kraftwerke in den Fabrikhallen mit Textilmaschinen errichtet. Diese technischen Denkmäler gehören zum typischen Gesicht der Isergebirgslandschaft (z. B. Katharinberg bei Reichenberg).

Zum Symbol des Erfolgs der Textilunternehmen wurde Johann Liebieg (1802 - 1870), der als einfacher Textilarbeiter Mitte des 19. Jahrhunderts nach Reichenberg kam und sich hier Schritt für Schritt das größte Textilimperium der Monarchie aufbaute. Liebieg wird von weiteren geschickten und zielstrebigen Textilunternehmern begleitet – Schmitt aus Böhmisch-Aicha, Ginzkey aus Maffersdorf , Klinger aus Neustadt, Priebisch aus Dittersbach, Richter aus Raspenau und anderen.

In der Gegend um Gablonz entwickelte sich die Glasproduktion ähnlich, die gleitend von der Manufaktur im Walde zu einer industriellen Fabrikproduktion überging. So auch das Glasmachergeschlecht Riedel: die „Glaskönige des Isergebirges“ ließen neue gewaltige Glashütten im Polubenská-Tal errichten, neue Glashütten wurden auch an den traditionellen Stellen errichtet – an der Iser, in Antoniwald, in Wiesenthal an der Neisse (Luèany) und in Grünwald bei Gablonz. Von der Glasmacherei hat sich zudem in dieser Zeit noch die sehr spezialisierte Bijouterieherstellung abgespalten, die vor allem den Bewohnern der Berghütten in der Herrschaft Kleinskal und Morchenstern Heimarbeit verschaffte.

Die Änderung des Lebensstils im Isergebirge in Verbindung mit einer regelmäßigen Arbeitszeit und freien Sonntagen ließ Ende des 19. Jahrhunderts das Wandern erneut sehr beliebt werden, verbunden mit einer gewaltigen Ausweitung von Touristik-Einrichtungen (Berghütten, Aussichtstürme, etc.). Am Anfang war das Wandern nur bei den Reichen Mode, später entwickelten sich auch Arbeitervereine, deren Mitglieder regelmäßig zu Ausflügen ins Isergebirge aufbrachen.

Am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert begannen im Isergebirge die ersten nationalistischen Leidenschaften zu wuchern und die Beziehungen zwischen den Tschechen, die vor allem im südlichen Gebiet von Gablonz wohnten, und der deutschen Mehrheit, die Reichenberg, die höheren Gebirgsgemeinden und Friedland und Umgebung besiedelte, wurden ziemlich angespannt. Die Streitigkeiten verschärften sich nach dem Ersten Weltkrieg, als auf dem Gebiet mit der mehrheitlich deutschen Bevölkerung die Provinz Deutschböhmen ausgerufen wurde, die nach der Besetzung durch die tschechoslowakische Armee unterging. Trotz einer gewissen Beruhigung blieben die Beziehungen zwischen den beiden Nationalitäten angespannt. Die Vielfältigkeit der Völkerschaften im Isergebirge und in dessen Vorland verschwand 1938 endgültig, als die verfolgte tschechische Bevölkerung das Sudetenland verlassen musste. Grundlegende Veränderungen traten nach dem Zweiten Weltkrieg ein, der sich bis auf kleinere Scharmützel dem Gebirge entzogen hatte. In den Jahren 1945 – 1947 wurde fast die ganze deutsche Bevölkerung ausgesiedelt.

Die Bergdörfer und Gemeinden vereinsamten, eine grundlegende Wende trat erst mit der Ferienhütten-Bewegung am Ende der scehziger Jahre ein, als Erholungssuchende aus dem Tiefland und schließlich sogar auch aus Prag in die Bergdörfer kamen. Dank ihrer Pflege ging nicht nur die Volksarchitektur des Isergebirges nicht unter, die Hütten-Urlauber begannen sich auch für die in Vergessenheit geratende Geschichte des Gebirges zu interessieren, dem genius loci, dem einzigartigen, innewohnenden Charakter des Isergebirges. Die Belebung des Gebirges wurde bis zu einem gewissen Punkt erst von der Öko-Katastrophe in den achtziger Jahren gebremst, als der Fichtenbestand des Isergebirges, der die Grundlage des hiesigen nordischen Reizes bildete, von Schadstoffemissionen und Insekten stark beschädigt wurde und großflächig abgeholzt werden musste. Aber auch in dieser Zeit war im Gebirge ein rapider Besucherzuwachs zu verzeichnen, vor allem in der Wintersaison.

Die Gegenwart des Isergebirges steht im Zeichen der allgemeinen Bemühung, an die alte Tradition des Gebirges anzuknüpfen und sie mit einer modernen Art der Erholung, allerdings begrenzt durch den notwendigen Naturschutz, zu verbinden. Es kommt auch zu einer Renaissance der Touristikeinrichtungen – der Berghütten und der Restaurants, die früher als betriebliche Erholungsheime dem Regime untergeordnet waren und damit für gewöhnliche Touristen nicht offen standen. Neue Sportarten – vor allem das Mountainbiking – locken weitere Tausende Menschen – nun auch in den Sommermonaten – hierher und ergänzen den Ski-Tourismus in der Landschaft der Wintermonate.